Shorin Ryu Seibukan Karate · Matayoshi Ryu Jinbukan Kobudo · seit 1989 in München

Kanji普及形 二
BedeutungVerbreitungsform Zwei
SchöpferMiyagi Chojun (Goju-Ryu, 1888–1953)
Entstehung1940, Okinawa Karate-Do Rengokai
Im SeibukanAb 6. Kyu (Grüngurt)
Typische StändeZenkutsu Dachi, Sanchin Dachi
Embusen-TypErweiterte Richtungswechsel; Goju-Ryu-geprägte Ausführung
SchwerpunktChudan Uchi Uke, neue Bewegungsdynamik, vertieftes Hikite

Eine eigenständige Form – andere Schule, andere Prägung

Fukyugata Ni begegnet dem Schüler auf dem 6. Kyu (Grüngurt). Sie stammt nicht aus derselben Stilrichtung wie Fukyugata Ichi – Miyagi Chojun repräsentiert mit dem Goju-Ryu eine grundlegend andere karatistische Tradition als Nagamine Shoshin (Shorin-Ryu). Beide Formen wurden für dasselbe Standardisierungsprojekt entwickelt, sind aber in Bewegungscharakter und stilistischer Prägung eigenständig.

Wer Fukyugata Ni beginnt, merkt: Die Struktur wirkt vertraut, stellt aber andere Anforderungen. Keine aufbauende Steigerung – sondern eine andere Perspektive auf dieselben Grundprinzipien des Karate.

Entstehung und Herkunft

Fukyugata Ni wurde 1940 von Miyagi Chojun (1888–1953) geschaffen. Miyagi war der Begründer des Goju-Ryu – eines der bedeutenden okinawanischen Hauptstile, bekannt für seine Verbindung harter (go) und weicher (ju) Techniken. Er zählt zu den einflussreichsten Karate-Meistern des 20. Jahrhunderts.

Damit kamen Fukyugata Ichi und Ni aus zwei grundlegend verschiedenen Stilrichtungen: Nagamine Shoshin (Shorin-Ryu-Linie) und Miyagi Chojun (Goju-Ryu). Die Formen sind eigenständige Beiträge zu einem gemeinsamen Standardisierungsprojekt – keine aufeinander aufbauende Serie.

(Anmerkung: In der Goju-Ryu-eigenen Tradition tragen Miyagis standardisierte Anfänger-Katas andere Namen. Die Fukyugata-Bezeichnung etablierte sich in den Stilen, die das Standardisierungsprojekt der Okinawa Karate-Do Rengokai übernahmen.)

Technische Merkmale

Fukyugata Ni behält den klaren Grundaufbau der ersten Form, erweitert aber das Bewegungsrepertoire:

  • Einführung von Chudan Uchi Uke (innerer Armblock) als Hauptblockform
  • Stärkere Betonung des Hikite (Rückziehhaltung) als aktive Bewegungskomponente
  • Erweiterte Richtungswechsel gegenüber Fukyugata Ichi
  • Rhythmische Variationen innerhalb der Sequenzen

Neben Zenkutsu Dachi wird in Fukyugata Ni Sanchin Dachi gearbeitet. Gerade dieser Stand gibt der Kata ihre andere Spannung und ihr anderes Gefühl im Vergleich zu Fukyugata Ichi. Die Qualitätsanforderungen aus der ersten Kata gelten fort – und werden in neuen Bewegungsmustern erneut überprüft.

Der Unterschied ist nicht nebensächlich. Er erklärt, warum dieselbe Kata in verschiedenen Schulen ähnlich aussieht und sich trotzdem anders anfühlt.

In anderen Beschreibungen tauchen vereinfachte oder stilübergreifende Anpassungen auf. Für die Ausführung im Dojo gilt die konkrete Anweisung des Sensei vor Ort.

Im Shorin-Ryu Seibukan

Im Seibukan-Curriculum wird Fukyugata Ni auf dem 6. Kyu (Grüngurt) eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt ist das Kihon-Programm erheblich gewachsen: Ashi Uke und Shuto Uke kommen hinzu, das Zenshin-Kotai-Programm umfasst Neko-Ashi-Dachi-Sequenzen und komplexere Kombinationen.

Die Kata trifft den Schüler in einer Phase, in der er technisch vielseitiger und körperlich stabiler ist als zu Beginn. Das ermöglicht eine tiefere Auseinandersetzung mit den Grundprinzipien der Form. Wer an dieser Stelle nur Techniken addiert, verpasst den Kern: Fukyugata Ni schult nicht bloß neue Arme, sondern eine andere Art, den Körper unter Spannung zu organisieren.

Was Fukyugata Ni lehrt

  • Transfer: Bereits Gelerntes in neuer Konfiguration anwenden
  • Differenzierung: Verschiedene Block- und Stoßformen präzise unterscheiden
  • Anpassung: Ähnliche Struktur, andere Anforderungen – Flexibilität im Denken
  • Vertiefung: Die Grundprinzipien des Karate wiederholen sich in jeder Form – aber immer klarer

Quellen: Okinawa Prefectural Archives; Quellenverzeichnis.md; Shorin-Ryu-Seibukan-Techniken.md (Prüfungsordnung)


Neugierig geworden? Erlebe traditionelles Karate aus Okinawa selbst – beim Probetraining in der Budo Akademie München.